Künstliche Intelligenz ist gerade überall. In Unternehmen, in Schulen, in Suchmaschinen, in Bildbearbeitung, im Marketing – und natürlich in gefühlt jedem zweiten LinkedIn-Post.
Für mich ist KI allerdings kein Thema, mit dem ich mich beschäftige, weil es gerade modern ist. Ich arbeite bereits seit mehreren Jahren intensiv mit KI und beobachte dabei vor allem eines: wie schnell sich die Möglichkeiten verändern – und wie entscheidend es wird, zu verstehen, was KI kann, was sie nicht kann und wie man sie sinnvoll einsetzt.
Von der Spielerei zum täglichen Werkzeug
Meine ersten Erfahrungen mit generativer KI waren – wie vermutlich bei vielen – von Neugier geprägt. Ausprobieren, testen, Grenzen suchen. Sehr schnell wurde daraus aber ein Werkzeug für meine tägliche Arbeit.
Heute nutze ich KI in ganz unterschiedlichen Bereichen: für Recherche und Ideenentwicklung, zur Strukturierung komplexer Inhalte, beim Schreiben und Überarbeiten von Texten, für Marketingkonzepte, SEO, Bildideen, technische Fragestellungen oder einfach als Sparringspartner, wenn aus einem ersten Gedanken ein brauchbares Konzept werden soll.
Dabei ist für mich ein Punkt besonders wichtig: KI ersetzt nicht das eigene Wissen. Sie wird vor allem dann richtig gut, wenn auf der anderen Seite jemand sitzt, der beurteilen kann, ob das Ergebnis überhaupt gut ist.
Gerade im Marketing, Webdesign und in der Kommunikation macht das einen enormen Unterschied.
Zwischen Wischen und Wissen
Noch intensiver habe ich mich mit dem Thema im Zusammenhang mit meinem Buch „Zwischen Wischen und Wissen“ beschäftigt. Darin geht es um unsere digitale Welt und um Themen, mit denen Kinder, Jugendliche – und ehrlich gesagt auch viele Erwachsene – täglich konfrontiert sind.
Wie funktionieren digitale Medien? Was passiert mit unseren Daten? Wie beeinflussen Algorithmen, Social Media und künstliche Intelligenz unseren Alltag? Wo liegen Chancen, wo Risiken und was sollte man verstehen, um sich in dieser Welt selbstbestimmt bewegen zu können?
Auch bei der Entstehung des Buches habe ich KI bewusst als Werkzeug eingesetzt. Nicht als Autorin an meiner Stelle, sondern als Unterstützung: zum Recherchieren, Strukturieren, Gegenprüfen, Weiterdenken und Überarbeiten. Gerade dieses Projekt hat mir noch einmal sehr deutlich gezeigt, wo KI enorme Möglichkeiten bietet – aber auch, an welchen Stellen menschliche Erfahrung, Fachwissen und kritisches Hinterfragen unverzichtbar bleiben.
KI verstehen – und vermitteln können
Durch meine Tätigkeit als Lehrerin für Digitale Grundbildung und Informatik hat das Thema für mich noch eine zusätzliche Perspektive bekommen. Denn es ist ein Unterschied, ob man KI selbst verwendet oder ob man erklären muss, wie sie eigentlich funktioniert.
Was ist ein Sprachmodell? Woher kommen die Antworten? Warum erfindet eine KI manchmal Fakten? Was bedeutet Training? Welche Rolle spielen Daten? Was darf ich einer KI anvertrauen? Und wie erkenne ich überhaupt, ob eine Antwort plausibel ist?
Um mich auch fachlich und didaktisch weiter zu vertiefen, habe ich dazu eine KI-Fortbildung an der Pädagogischen Hochschule Eisenstadt absolviert.
Für mich gehört beides zusammen: die praktische Erfahrung aus meinem beruflichen Alltag und die Auseinandersetzung damit, wie wir KI kompetent, kritisch und verantwortungsvoll einsetzen.
Jetzt darf Seidlgrafik selbst mitreden
Auch bei Seidlgrafik bleibt KI nicht nur Theorie.
Auf seidlgrafik.com gibt es jetzt einen eigenen KI-Chatbot: „Frag Lea“.
Und nein – dahinter sitzt keine kleine digitale Version von mir, die rund um die Uhr Kaffee trinkt und Kundenfragen beantwortet. 😉
Die Assistentin greift auf die Inhalte und das Wissen von Seidlgrafik zurück und kann Besucher dabei helfen, schneller herauszufinden, welche Leistungen für ihr Projekt interessant sein könnten oder Antworten zu meinen Angeboten zu bekommen. Für mich ist das gleichzeitig ein ganz praktisches Beispiel dafür, wie Unternehmen KI heute sinnvoll auf ihrer Website einsetzen können. Denn ein Chatbot muss nicht einfach nur irgendeine KI sein, die freundlich antwortet. Spannend wird es dort, wo er mit den eigenen Inhalten und dem eigenen Unternehmenswissen arbeitet und dadurch tatsächlich einen Nutzen für Kund schafft.
Wenn zwei KIs miteinander reden – und ich dazwischen sitze
Besonders spannend fand ich übrigens die Installation des Chatbots selbst. Denn natürlich lief nicht alles auf Anhieb. Bei der Einrichtung gab es einige Fehlermeldungen und technische Fragen. Und irgendwann saß ich tatsächlich zwischen zwei künstlichen Intelligenzen.
Ich beschrieb ChatGPT mein Problem. ChatGPT erklärte mir, welche Informationen es noch braucht und was ich die KI des Chatbot-Plugins fragen sollte. Also stellte ich dort die entsprechende Frage, bekam eine technische Antwort, gab diese wieder an ChatGPT weiter – und erhielt daraus den nächsten Lösungsschritt.
Das ging einige Male hin und her. Ich war gewissermaßen die menschliche Schnittstelle zwischen zwei KIs. 😉
Und genau das fand ich unglaublich spannend aber auch irgendwie irritierend. Denn es zeigt sehr schön, wie sich unsere Arbeit gerade verändert: Selbst bei der Installation und Konfiguration einer KI kann eine andere KI bei der Fehlersuche helfen. Das bedeutet aber nicht, dass technisches Verständnis plötzlich überflüssig wird. Im Gegenteil. Ich muss weiterhin verstehen, was auf meiner Website passiert, welche Einstellungen verändert werden und ob ein vorgeschlagener Lösungsweg sinnvoll ist.
Nur habe ich heute bei der Fehlersuche einen ziemlich ausdauernden digitalen Kollegen an meiner Seite.
Und jetzt bekommt Seidlgrafik ein neues Kleid
Der Chatbot ist dabei erst der Anfang.
Meine Website begleitet mich schon eine ganze Weile – und nachdem sie jetzt sogar sprechen kann, darf sie sich im Herbst auch über ein neues Kleid freuen. Der Relaunch von seidlgrafik.com steht an. Dabei möchte ich nicht einfach alles über Bord werfen, was bisher funktioniert hat. Vielmehr geht es darum, meine langjährige Erfahrung in Webdesign, Grafik und Marketing mit den Möglichkeiten zu verbinden, die heute neu dazukommen.
Und KI wird dabei selbstverständlich eine Rolle spielen – dort, wo sie tatsächlich sinnvoll ist.
KI-Kompetenz bedeutet für mich mehr als Prompten
Ein paar gute Prompts schreiben zu können, ist hilfreich. Aber es ist noch keine KI-Strategie. Mich interessiert vielmehr die Frage: Wo bringt KI tatsächlich einen Mehrwert? Im Marketing. Bei Websites. In der Kommunikation. Bei der Content-Erstellung. In internen Abläufen. In der Wissensvermittlung. Und zunehmend auch direkt im Kontakt mit Kund.
Nach über 20 Jahren Webdesign erlebe ich gerade wieder eine Phase, in der sich das Web grundlegend verändert. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum mich das Thema so fasziniert: Ich habe schon einige technische Entwicklungen kommen – und manche auch wieder gehen – sehen. Bei KI habe ich allerdings das Gefühl, dass wir gerade erst anfangen zu entdecken, was damit möglich wird.
Dabei geht es für mich nicht darum, überall möglichst viel KI einzubauen. Wir müssen versuchen herauszufinden, wo sie sinnvoll ist, was sie leisten kann – und wie man sie richtig einsetzt.


